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Die türkischen Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter haben das kulturelle Gesicht der Bundesrepublik tiefgreifend mitgestaltet, sagte der Bundeskanzler beim Festakt. Foto: Bundesregierung/Henning Schacht Bundeskanzler Merz würdigte in seiner Rede beim Festakt zum 65. Jubiläum des Anwerbeabkommens mit der Türkei die Menschen, die als sogenannte Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter in Deutschland ihre neue Heimat gefunden h...
Die türkischen Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter haben das kulturelle Gesicht der Bundesrepublik tiefgreifend mitgestaltet, sagte der Bundeskanzler beim Festakt. Foto: Bundesregierung/Henning Schacht Bundeskanzler Merz würdigte in seiner Rede beim Festakt zum 65. Jubiläum des Anwerbeabkommens mit der Türkei die Menschen, die als sogenannte Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter in Deutschland ihre neue Heimat gefunden haben. „Aus den „Gastarbeitern“ wurden nach und nach Einwanderer. Und irgendwann: Deutsche“, sagte er. Sie hätten die industrielle Substanz Deutschlands mit aufgebaut und oft mit außerordentlichem Fleiß zum Wohlstand des Landes beigetragen. Genauso hätten sie auch das kulturelle Gesicht der Bundesrepublik tiefgreifend mitgestaltet – und prägten es bis heute, sagte der Bundeskanzler. Die Geschichte der sogenannten Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter sei als Beispiel einer gelungenen Integration zu verstehen. Beide Seiten hätten dazu beigetragen. Integration schaffe man nur durch gemeinsame Anstrengung. Arbeitsplatz, Klassenzimmer, Sportverein seien heute immer noch die Orte der Integration, auch wenn heute Integration staatlicherseits mit organisiert und auch eingefordert würde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es in Deutschland einen großen Wirtschaftsaufschwung. Der Bedarf an Arbeitskräften ist hoch. Die Türkei erlebt im gleichen Zeitraum eine schwere Wirtschaftskrise. Am 30. Oktober 1961 unterzeichnen die beiden Länder deshalb das deutsch-türkische Anwerbeabkommen. Im November 1961 kommen 55 türkische Gastarbeiter am Flughafen in Düsseldorf an. Bis 1973 kommen knapp 870.000 Menschen aus der Türkei nach Deutschland – zum Beispiel per Orient-Express nach München. Etwa eine halbe Million kehrt im selben Zeitraum wieder zurück. Nachdem der Aufenthalt vorerst befristet ist, können die Arbeiter später auch dauerhaft in Deutschland bleiben. Zunächst werden vor allem unverheiratete Männer für die Arbeit in Deutschland angeworben. Der Tabakzüchter Mehmet Ali verlässt 1966 als letzter Mann sein Dorf Bademeli in der Nähe von Izmir , um in Deutschland zu arbeiten. Seine 26-jährige Ehefrau bleibt in einem männerlosen Ort zurück. Die Gastarbeiter sind überwiegend in der Industrie tätig und sind in harten körperliche Jobs tätig. Dazu gehört die Autoproduktion, zum Beispiel das Ford-Werk in Köln. Die türkischen Auswanderer sind im Durchschnitt besser qualifiziert als die Menschen in der Türkei: 80 Prozent haben eine abgeschlossene Schulausbildung, in der Türkei sind es nur 44 Prozent. Rund ein Drittel der Gastarbeiter sind Frauen. Sie arbeiten zum Beispiel in der Textil- und der Nahrungsmittelindustrie, aber auch in der Elektrotechnik oder der Eisenindustrie. Sie verdienen etwa 30 bis 40 Prozent weniger als Männer. Viele Gastarbeiter leben in engen Sammelunterkünften. Die Arbeit steht im Mittelpunkt des Lebens. Da mit der Rückkehr in die Türkei geplant wird, gibt es kaum Integrationsmaßnahmen. Sprachkurse und der Kontakt zur deutschen Bevölkerung bleiben überwiegend aus. In Folge der Ölkrise kommt es im November 1973 zum Anwerbestopp. Einige Gastarbeiter kehren wieder in die Türkei zurück, viele bleiben aber in Deutschland. Ihre Familien ziehen hinterher. 1980 leben rund 1,4 Millionen Türken in der Bundesrepublik. Durch die zunächst fehlende Integration werden die Einwanderer strukturell benachteiligt. Sie haben schlechtere Aufstiegschancen und erleben Ausgrenzung. 1978 schafft die Bundesregierung das Amt des Integrationsbeauftragten. Die Einwanderer sollen vor allem durch mehr Unterstützung im Bildungsbereich besser integriert werden. Die Kinder und Enkelkinder der Gastarbeiter wachsen in Deutschland auf, gehen zur Schule und sprechen in der Regel fließend Deutsch. Das stärkt ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Heute haben mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland türkischen Migrationshintergrund. Sie sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft, haben das Land mit Ideen, Kreativität und Wissen bereichert und mehrere hunderttausend Arbeitsplätze geschaffen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es in Deutschland einen großen Wirtschaftsaufschwung. Der Bedarf an Arbeitskräften ist hoch. Die Türkei erlebt im gleichen Zeitraum eine schwere Wirtschaftskrise. Am 30. Oktober 1961 unterzeichnen die beiden Länder deshalb das deutsch-türkische Anwerbeabkommen. Im November 1961 kommen 55 türkische Gastarbeiter am Flughafen in Düsseldorf an. Bis 1973 kommen knapp 870.000 Menschen aus der Türkei nach Deutschland – zum Beispiel per Orient-Express nach München. Etwa eine halbe Million kehrt im selben Zeitraum wieder zurück. Nachdem der Aufenthalt vorerst befristet ist, können die Arbeiter später auch dauerhaft in Deutschland bleiben. Zunächst werden vor allem unverheiratete Männer für die Arbeit in Deutschland angeworben. Der Tabakzüchter Mehmet Ali verlässt 1966 als letzter Mann sein Dorf Bademeli in der Nähe von Izmir , um in Deutschland zu arbeiten. Seine 26-jährige Ehefrau bleibt in einem männerlosen Ort zurück. Die Gastarbeiter sind überwiegend in der Industrie tätig und sind in harten körperliche Jobs tätig. Dazu gehört die Autoproduktion, zum Beispiel das Ford-Werk in Köln. Die türkischen Auswanderer sind im Durchschnitt besser qualifiziert als die Menschen in der Türkei: 80 Prozent haben eine abgeschlossene Schulausbildung, in der Türkei sind es nur 44 Prozent. Rund ein Drittel der Gastarbeiter sind Frauen. Sie arbeiten zum Beispiel in der Textil- und der Nahrungsmittelindustrie, aber auch in der Elektrotechnik oder der Eisenindustrie. Sie verdienen etwa 30 bis 40 Prozent weniger als Männer. Viele Gastarbeiter leben in engen Sammelunterkünften. Die Arbeit steht im Mittelpunkt des Lebens. Da mit der Rückkehr in die Türkei geplant wird, gibt es kaum Integrationsmaßnahmen. Sprachkurse und der Kontakt zur deutschen Bevölkerung bleiben überwiegend aus. In Folge der Ölkrise kommt es im November 1973 zum Anwerbestopp. Einige Gastarbeiter kehren wieder in die Türkei zurück, viele bleiben aber in Deutschland. Ihre Familien ziehen hinterher. 1980 leben rund 1,4 Millionen Türken in der Bundesrepublik. Durch die zunächst fehlende Integration werden die Einwanderer strukturell benachteiligt. Sie haben schlechtere Aufstiegschancen und erleben Ausgrenzung. 1978 schafft die Bundesregierung das Amt des Integrationsbeauftragten. Die Einwanderer sollen vor allem durch mehr Unterstützung im Bildungsbereich besser integriert werden. Die Kinder und Enkelkinder der Gastarbeiter wachsen in Deutschland auf, gehen zur Schule und sprechen in der Regel fließend Deutsch. Das stärkt ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Heute haben mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland türkischen Migrationshintergrund. Sie sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft, haben das Land mit Ideen, Kreativität und Wissen bereichert und mehrere hunderttausend Arbeitsplätze geschaffen. öffnet Bild im Karussell Deutschland erwarte von den Menschen, die ins Land kämen, dass sie sich an die Regeln einer demokratischen Gesellschaft hielten – etwa an die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Umgekehrt könne wer nach Deutschland komme, von der deutschen Gesellschaft erwarten, dass Chancengleichheit und Zugehörigkeit gelten. „In diesem Land erfahren alle Wertschätzung – es sollten jedenfalls alle – , ungeachtet der Hautfarbe oder der Herkunft der Eltern.“ Der Bundeskanzler sprach auch die schwarzen Kapitel der 65-jährigen Geschichte der türkischen Zuwanderung an: Die Angst vor dem Fremden, die sich ideologisch aufgeladen und in furchtbaren Gewalttaten entladen habe. Die Namen Mölln und Solingen stünden für rassistische Gewalt in den 1990er-Jahren. Der NSU mordete über Jahre, der furchtbare Anschlag von Hanau liege erst sechs Jahre zurück. Der Kanzler verwies darauf, dass die Angst vor dem Fremden derzeit eher zu- als abnehme und ideologisch aufgeladen werde. Der Bundeskanzler betonte: „Die offene Gesellschaft, die freiheitliche Gesellschaft bewährt sich aus sich selbst heraus. Sie bewährt sich in unserem Umgang miteinander." Die Bundesregierung wolle und müsse nach den Worten des Kanzlers die Integrationsgeschichte fortschreiben. Denn nur eine funktionierende Aufstiegsgesellschaft halte den Wohlstandsmotor am Laufen. Dafür brauche es wieder Einwanderung. Deutschland und Europa seien auf Fachkräfte angewiesen. Am 30. Oktober 1961 unterzeichneten die Bundesrepublik Deutschland und die Türkei ein Abkommen zur Anwerbung türkischer Arbeitskräfte. Am Festakt in Berlin nahmen der Bundeskanzler und der türkische Botschafter Turan teil. Der Aufenthalt der türkischen Migranten war zunächst befristet. Die überwiegend jungen Männer sollten bis zu zwei Jahre in Deutschland arbeiten und dann in ihre Heimat zurückkehren. Viele Gastarbeiter blieben auch nach dem Aufnahmestopp 1973 in Deutschland. Ihre Familien zogen hinterher. Heute haben mehr als drei Millionen Menschen in der Bundesrepublik türkischen Migrationshintergrund.