Das Handelsvolumen zwischen Brasilien und Deutschland soll sich in den nächsten Jahren verdoppeln, sagte Merz. Foto: Bundesregierung/Jesco Denzel Bundeskanzler Friedrich Merz hat zusammen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula da Silva die 42. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage auf der Hannover Messe eröffnet. Deutschland und Brasilien teilten ein grundlegendes Interesse an einer politischen Ordnung, „in der w...
Das Handelsvolumen zwischen Brasilien und Deutschland soll sich in den nächsten Jahren verdoppeln, sagte Merz. Foto: Bundesregierung/Jesco Denzel Bundeskanzler Friedrich Merz hat zusammen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula da Silva die 42. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage auf der Hannover Messe eröffnet. Deutschland und Brasilien teilten ein grundlegendes Interesse an einer politischen Ordnung, „in der wir auf Verabredungen vertrauen können“, betonte der Bundeskanzler. Ein zentrales Anliegen ist der zügige Abschluss des MERCOSUR -Abkommens, das eine der größten Freihandelszonen der Welt schaffen und den bilateralen Handel deutlich ausweiten soll. Besondere Zukunftsfelder der Zusammenarbeit lägen in der digitalen Transformation und Industrie 4.0, in der Rohstoffsicherung – insbesondere bei Seltenen Erden – sowie im Ausbau erneuerbarer Energien und klimafreundlicher Technologien, so Merz. Die 42. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage werden vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und dem brasilianischen Partnerverband CNI ausgerichtet. Dieses Jahr findet der Wirtschaftsdialog im Rahmen der Hannover Messe statt. Absatzmärkte ausbauen: In Brasilien sind aktuell rund 1.300 Unternehmen mit deutschem Kapital aktiv und erwirtschaften etwa zehn Prozent der industriellen Wertschöpfung. Brasilien ist ein wichtiger Absatzmarkt für Maschinen, Chemie und Fahrzeuge, während Deutschland für Brasilien ein Absatzmarkt für Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte ist. Digitale Transformation und Innovation ausbauen: Ein zentrales Zukunftsfeld ist die digitale Transformation. Bereits seit 2021 existiert der deutsch-brasilianische Digitaldialog für einen Austausch unter anderem zu künstlicher Intelligenz. Auch in Forschung und Entwicklung kooperieren beide Länder auf vielen Ebenen – dazu gehört die Fraunhofer Gesellschaft und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Rohstoffe nutzen: Brasilien verfügt über große Vorkommen an Seltenen Erden und ist ein wichtiger Produzent von Niob, das etwa für Solarzellen benötigt wird. Auch Metalle für Elektromobilität und Windkraftanlagen sind dort verfügbar. Diese Beziehungen sollen auch mit Hilfe des Austauschs von technologischem Know-How aus Deutschland weiter ausgebaut werden. Die Zusammenarbeit soll durch technologischen Wissenstransfer weiter ausgebaut werden, unter anderem über das seit über zehn Jahren bestehende „Deutsch-Brasilianische Kompetenzzentrum Bergbau und Rohstoffe“ in São Paulo . Sehr geehrter Herr Präsident Lula, sehr geehrte Herren Präsidenten der Industrieverbände, lieber Peter Leibinger, sehr geehrter Herr Alban, meine Damen und Herren, herzlich willkommen zu diesen 42. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstagen, die in diesem Jahr hier im Rahmen der Hannover Messe stattfinden. Ich freue mich, dass ich die Gelegenheit habe, heute dabei zu sein. Ich freue mich ganz besonders, dass Präsident Lula persönlich in Hannover anwesend ist und dass wir nicht nur gestern diese Messe gemeinsam eröffnen konnten, sondern auch heute die Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage. Meine Damen und Herren, dieses Treffen findet in einer Zeit statt, in der wir bei allen geopolitischen und geoökonomischen Herausforderungen auch Aufbrüche und Fortschritte sehen. Herr Präsident Alban, Sie haben das Freihandelsabkommen zwischen vier südamerikanischen Staaten und der Europäischen Union bereits genannt. Dieses Freihandelsabkommen ist dafür ein besonders gutes und ermutigendes Beispiel. Brasilien ist in unserer schwieriger werdenden Welt ein Schlüsselpartner, mit dem wir bestehende Partnerschaften vertiefen und neue Partnerschaften schließen wollen. Ich habe es gestern bei der Eröffnung der Messe gesagt, und ich erlaube mir, es hier zu wiederholen: Wir teilen mit Brasilien das sehr grundlegende Interesse an einer politischen Ordnung, in der wir auf Verabredungen vertrauen können, in der wir uns auf Verträge verlassen können, in der wir zur gemeinsamen Bewältigung globaler Probleme beitragen können und in der wir vor allem Konflikte nur mit friedlichen Mitteln lösen wollen. Das betrifft nicht nur das große Gebiet der Wirtschaftspolitik. Es gilt aber auch gerade für die Wirtschaftspolitik; denn offener, fairer und freier Handel kann nur auf der Grundlage ausgewogener, nachhaltiger und vor allem regelbasierter Beziehungen gelingen. Mit Brasilien ist das möglich. Herzlichen Dank, Präsident Lula, stellvertretend für das ganze Land Brasilien! Zusammen mit Brasilien sind wir über 300 Millionen Einwohner, Konsumenten, und unsere beiden Länder haben ein großes gemeinsames volkswirtschaftliches Potenzial. Schon ohne das Freihandelsabkommen lag das bilaterale Handelsvolumen im Jahr 2024 bei über 20 Milliarden Euro. Aber, meine Damen und Herren, für die Größe dieser beiden Volkswirtschaften ist das entschieden zu wenig. Wir wollen dieses Volumen mit dem Freihandelsabkommen stärken, wir wollen es deutlich steigern. Ich schließe mich ausdrücklich dem ambitionierten Ziel an, dieses Handelsvolumen in den nächsten Jahren zu verdoppeln. Es steht mit diesem Freihandelsabkommen jetzt eine der größten Freihandelszonen der Welt zur Verfügung mit über 700 Millionen Menschen und einem jährlichen gemeinsamen Bruttoinlandsprodukt von fast 21 Billionen Euro. Das entspricht etwa einem Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung. Beide Seiten des Atlantiks werden von wegfallenden Zöllen und dem Abbau weiterer Handelshemmnisse profitieren. Auf beiden Seiten wird das Abkommen für zusätzliches langfristiges Wirtschaftswachstum sorgen. Es gibt eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, deren Ergebnis sehr klar ist: Rund ein Drittel der im Ausland aktiven deutschen Betriebe erwartet durch dieses Freihandelsabkommen positive Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit. Von diesen Unternehmen wiederum plant ein Viertel in den nächsten Jahren den Ausbau der Geschäftsaktivitäten in den lateinamerikanischen Ländern. Ich bin davon überzeugt, es werden in den nächsten Jahren auch noch mehr deutsche Unternehmen ihre Beziehungen zu den MERCOSUR -Staaten ausbauen und die neuen Chancen ergreifen. Es ist deshalb eine besonders gute Nachricht, dass das Interimshandelsabkommen ab dem 1. Mai 2026 angewendet werden kann – und vorläufig, meine Damen und Herren, heißt endgültig. Es wird keinen Weg zurückgeben. Ich bin mir sicher, der eingeschlagene Weg dieses Handelsabkommens ist unumkehrbar. Wir setzen uns daher weiter mit Nachdruck dafür ein, dass der Ratifizierungsprozess schnell abgeschlossen wird. Es braucht nur noch eine Zustimmung des Europäischen Rates und des Europäischen Parlamentes. Die deutsch-brasilianischen Wirtschaftsbeziehungen haben vor diesem Hintergrund nicht nur eine lange Tradition, sie haben eine besonders große Perspektive. Lassen Sie mich daran erinnern: Diese Tradition hat im Jahre 1837 begonnen, als Alfred Krupp einen Auftrag aus Brasilien für zwei Zylinder für die Münzprägung bekam. Wenig später folgten Dampfmaschine und Lokomotive. Einige der größten deutschen Unternehmen – von denen sind viele hier im Raum vertreten – sind seit fast 130 Jahren im Land tätig. Ich nenne beispielhaft Siemens und Bayer. Viele weitere Firmen – Volkswagen, BASF, Mercedes-Benz – folgten in den 1950er Jahren. Die deutschen Außenhandelskammern in Rio und in São Paulo feiern in diesem Jahr ihr 110-jähriges Bestehen. Seit 1956 besteht der Verein Deutsch-Brasilianischer Ingenieure in São Paulo . Heute sind in Brasilien rund 1300 Unternehmen mit deutschem Kapital aktiv, und sie sorgen für etwa zehn Prozent der industriellen Wertschöpfung in diesem Land. Für Deutschland ist Brasilien aber auch ein wichtiger Absatzmarkt, vor allem für Maschinen, chemische Erzeugnisse, Kraftfahrzeuge. Für Brasilien wiederum ist Deutschland ein wichtiger Absatzmarkt, etwa für Rohstoffe und für landwirtschaftliche Produkte. Das ist die Gegenwart, meine Damen und Herren. Für die Zukunft sehe ich drei Bereiche, über die wir heute miteinander sprechen sollten: Erstens, die digitale Transformation und Industrie 4.0. Brasilien und Deutschland können zu beiderseitigem Gewinn diese digitale Transformation ihrer Volkswirtschaften gemeinsam vorantreiben. Der brasilianische Markt ist für deutsche Unternehmen attraktiv, die in der Automatisierung, Digitalisierung und intelligenten Fertigung tätig sind. Schon seit 2021 gibt es den deutsch-brasilianischen Digitaldialog, in dem auch der Austausch zu künstlicher Intelligenz oder Internet Governance stattfindet. Und schließlich: Auch in Forschung und Entwicklung gibt es in etlichen Zukunftsthemen in verschiedensten Konstellationen eine enge Zusammenarbeit. So kooperieren seit über einem Jahrzehnt die Fraunhofer-Gesellschaft und wichtige Akteure der brasilianischen Industrieforschung. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt kooperiert ebenso mit gleich mehreren brasilianischen Einrichtungen. Das alles sind hervorragende Voraussetzungen für ein weiteres gemeinsames Vorangehen. Zweitens – wir haben es seit gestern Abend bereits oft gehört –, Seltene Erden und andere Rohstoffe. Brasilien verfügt über ein enormes Potenzial an Seltenen Erden. Nach Schätzungen sind es weltweit die zweitgrößten Reserven. 90 Prozent sind es von den bekannten Reserven des kritischen Rohstoffs Niob, der für die Produktion von Solarzellen dringend gebraucht wird. Große Chancen liegen im kostengünstigen Abbau bestimmter Metalle, die für die E-Mobilität und für Windkraftanlagen gebraucht werden. Meine Damen und Herren, das ist natürlich auch für Deutschland alles hochattraktiv. So hatte 2024 der Import von Rohstoffen aus Brasilien schon eine Größenordnung von etwa drei Milliarden Euro erreicht. Deutschland ist dazu bereit, Brasilien mit technologischem Know-how und Expertise zu unterstützen, um diese Beziehungen weiter auszubauen. Und: Seit zehn Jahren gibt es das deutsch-brasilianische Kompetenzzentrum Bergbau und Rohstoffe, das von der Deutschen Auslandskammer in São Paulo betrieben wird. Lassen Sie uns also solche bestehenden Kontakte und Verbindungen, solche Netzwerke in diesen wichtigen Bereichen, gemeinsam weiter ausbauen, zum Wohle beider Staaten. Und schließlich, drittens: Brasilien spielt eine große Vorreiterrolle bei erneuerbaren Energien; Präsident Lula, Sie haben das heute Morgen in Ihrem Beitrag noch einmal gesagt. Wir wollen das auch in Deutschland. Wir wollen den Ausbau erneuerbarer Energien, und wir kommen damit gut voran. Das letzte Jahr war ein Rekordjahr. Wir gehen auf diesem Weg weiter; aber wir sehen, Brasilien auch. Es gibt den Anspruch, bis zum Jahr 2030 auf 80 Prozent zu gelangen, und dies unter Einschluss von synthetischen Kraftstoffen, mit dem auch herkömmliche Verbrennungsmotoren weiter betrieben werden können – ein ganz wesentlicher Beitrag auch zum Klimaschutz. Meine sehr geehrten Damen und Herren, in diesem Sinne: Die deutsch-brasilianischen Wirtschaftsbeziehungen stehen auf einem soliden Fundament einer über 150-jährigen Geschichte. Es gibt genügend Anknüpfungspunkte, es gibt große Chancen, um darauf aufbauend in die Zukunft hinein und mit Gewinn für beide Seiten aufzubauen. Ich habe davon nur einige wenige genannt. Die Zeit, in der wir stehen, ist eine Zeit für Partnerschaften. Wir sollten immer den Geist und die Bereitschaft finden, miteinander fair und verlässlich das Beste für die Menschen in unseren Ländern zu erreichen. Mit Brasilien finden wir genau diesen Geist und diese Bereitschaft. Ich wünsche uns in diesem Sinne bei den diesjährigen Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstagen: anregende Gespräche, gute Diskussionen, vielleicht auch neue und erweiterte Geschäftsbeziehungen. Auf eine gemeinsame gute Zukunft! Herzlichen Dank für Ihr großartiges Engagement! per E-Mail teilen, Großes Potenzial für deutsch-brasilianische Wirtschaftsbeziehungen per Facebook teilen, Großes Potenzial für deutsch-brasilianische Wirtschaftsbeziehungen per Threema teilen, Großes Potenzial für deutsch-brasilianische Wirtschaftsbeziehungen E-Mail per E-Mail teilen, Großes Potenzial für deutsch-brasilianische Wirtschaftsbeziehungen Facebook per Facebook teilen, Großes Potenzial für deutsch-brasilianische Wirtschaftsbeziehungen Threema per Threema teilen, Großes Potenzial für deutsch-brasilianische Wirtschaftsbeziehungen WhatsApp per Whatsapp teilen, Großes Potenzial für deutsch-brasilianische Wirtschaftsbeziehungen X per X teilen, Großes Potenzial für deutsch-brasilianische Wirtschaftsbeziehungen Link kopieren